Monumentales Rocktheater: „The Wall“ entfaltete seine ganze Wucht in der NEW Box

Mit einer eindrucksvollen Verbindung aus Rockmusik, Theater und moderner Bildsprache verwandelte das niederländische Pink Floyd Project am 22. Januar 2026 die Mönchengladbacher NEW Box in einen Ort intensiver Klang- und Bilderwelten. Aufgeführt wurde „The Wall“, eines der bedeutendsten Werke der Rockgeschichte, in einer zeitgemäßen Neuinterpretation, die das Publikum über nahezu zwei Stunden in ihren Bann zog.
Von KM-Redakteurin Sabrina Köhler

Musik – „The Wall“ erschien 1979 und markierte einen Höhepunkt im Schaffen der britischen Band Pink Floyd. Das Konzeptalbum, das in 26 Songs eine zusammenhängende Geschichte erzählt, entwickelte sich zu einem globalen Phänomen. Mehr als 33 Millionen verkaufte Exemplare machten es zur erfolgreichsten Doppel-LP aller Zeiten. Die erzählte Geschichte des Musikers Pink, der sich infolge persönlicher Traumata zunehmend von seiner Umwelt abkapselt und eine imaginäre Mauer um sich errichtet, besitzt bis heute eine zeitlose Relevanz. Die Themen Isolation, Verlust, gesellschaftlicher Druck und innere Zerrissenheit bilden das emotionale Zentrum des Werkes.

Internationale Aufmerksamkeit erlangte „The Wall“ nicht nur durch das Album selbst, sondern auch durch seine spektakulären Live-Inszenierungen. Einen historischen Höhepunkt stellte das Open-Air-Konzert 1990 in Berlin dar, das im Jahr nach dem Fall der Berliner Mauer vor mehr als 300.000 Zuschauern stattfand. Bereits zuvor war das Werk 1982 durch den Film „The Wall“ von Gerald Scarfe und Alan Parker mit Bob Geldof in der Rolle des Protagonisten Pink einer noch breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden.

Foto: Kultur-macht/Sabine Jandeleit

Das Pink Floyd Project griff diese traditionsreiche Geschichte auf und übersetzte sie für die Bühne in eine moderne, multivisuelle Theatershow. Unter der Regie von Aike Dirkzwager entstand eine Inszenierung, die bewusst nicht auf reine Nostalgie setzte, sondern den Stoff in einen aktuellen Kontext stellte. Videoeinspielungen, Projektionen und dreidimensionale Animationen ergänzten die Musik und erweiterten die Handlung um zeitgenössische Bezüge. Bilder von Protestbewegungen junger Klimaaktivisten wurden ebenso eingebunden wie symbolhafte Sequenzen, die innere Konflikte und gesellschaftliche Spannungen widerspiegelten.

Musikalisch orientierte sich die Aufführung eng am Original, ohne dabei zur bloßen Kopie zu werden. Die Arrangements ließen Raum für individuelle Akzente der Musiker und verliehen bekannten Passagen neue Dynamik. Der Quadrophonie-Sound sorgte für eine räumliche Klangwirkung, die das Publikum mitten ins Geschehen zog und die emotionale Intensität der Songs verstärkte.

Im Mittelpunkt der Bühne stand Sänger Wim Holsappel, der die Rolle des Pink mit großer Präsenz verkörperte. Mit seiner markanten Erscheinung, der blonden Haarpracht und der bewusst provokanten Krawatte, die an politische Figuren der Gegenwart erinnerte, verband er die Figur des Pink mit aktuellen Assoziationen. Seine Interpretation ließ die innere Zerrissenheit des Protagonisten ebenso greifbar werden wie dessen Wut, Verzweiflung und Kontrollverlust.

Begleitet wurde Holsappel von einer hochkarätig besetzten Band. Besonders die Gitarristen Henk Bennen und André Becker setzten mit ihren ausdrucksstarken Soli immer wieder markante Akzente. Ihre musikalische Präzision und ihr Zusammenspiel trugen maßgeblich dazu bei, dass die komplexe Struktur von „The Wall“ auch live ihre volle Wirkung entfaltete. Ergänzt wurde das Ensemble durch weitere Musiker, die für einen dichten, vielschichtigen Sound sorgten und die Übergänge zwischen den einzelnen Kapiteln der Geschichte fließend gestalteten.

Die Bühne selbst wurde zum zentralen Erzählelement der Inszenierung. Projektionen, Lichtwechsel und visuelle Effekte unterstützten die Handlung und machten die imaginäre Mauer im Verlauf des Abends immer präsenter. Gleichzeitig blieb Raum für ruhige, intime Momente, in denen die Musik und die Stimme des Sängers im Vordergrund standen. Diese bewusste Balance zwischen visueller Opulenz und musikalischer Konzentration prägte den Charakter der Aufführung.

Das Pink Floyd Project hatte mit dieser Produktion bereits in mehreren europäischen Ländern für Aufmerksamkeit gesorgt. Ausverkaufte Konzerte in den Niederlanden, Belgien und Spanien sowie positive Resonanz von Publikum und Presse unterstrichen den Anspruch der Band, sich deutlich von anderen Tribute-Formationen abzuheben. Statt einer reinen Nachahmung setzte das Ensemble auf eine eigenständige künstlerische Handschrift, die das Original respektiert und zugleich weiterdenkt. (sk)

Foto: Kultur-macht/Sabine Jandeleit