Lange bevor der letzte Ton verklungen war, hatte sich der 14. März bereits als einer jener Abende eingeprägt, an denen Musik nicht nur gespielt, sondern regelrecht durchlebt wird.
Von KM-Redakteurin Sabrina Köhler
Musik/Mönchengladbach – In der NEW Box versammelten sich am Samstag rund 1500 Besucher, um die zweite Ausgabe des „Temple of Rock“ zu erleben – eine Veranstaltung, die sich ganz der Wiederbelebung großer Rock- und Metal-Ikonen verschrieben hat und dabei ein bemerkenswert dichtes Programm präsentierte.

Der Beginn am Nachmittag wirkte zunächst beinahe unscheinbar, doch schon mit den ersten Takten füllte sich die Halle zusehends. Was folgte, war ein minutiös getakteter Ablauf, der ohne längere Unterbrechungen auskam. Zwei Bühnen ermöglichten es, die Umbauphasen nahezu unsichtbar zu halten. Kaum hatte eine Band ihren letzten Song beendet, setzte auf der gegenüberliegenden Seite bereits der nächste Auftritt ein – ein Konzept, das dem Publikum kaum Gelegenheit ließ, zur Ruhe zu kommen.
Im Zentrum standen Tribute-Bands, die sich den bekanntesten Vertretern der Rockgeschichte widmeten. Formationen wie „Meatallica“, „Bon Scotch“ oder „Bad Medicine“ griffen dabei auf ein Repertoire zurück, das Generationen von Musikfans geprägt hat. Auffällig war weniger die bloße Songauswahl als vielmehr die Genauigkeit, mit der Klang, Auftreten und Bühnenpräsenz nachempfunden wurden. Gitarrensoli, Gesangslinien und selbst kleinste Gesten wirkten durchdacht und sorgten für eine Authentizität, die im Publikum auf große Resonanz stieß.
Mit fortschreitender Dauer verlagerte sich die Stimmung von konzentrierter Aufmerksamkeit hin zu ausgelassener Ekstase. Spätestens als die ersten bekannten Refrains lauthals mitgesungen wurden, war die Distanz zwischen Bühne und Publikum aufgehoben. Hände reckten sich in die Höhe, Köpfe bewegten sich im Takt, und immer wieder durchzuckten Lichtblitze den Raum, als wollten sie den Rhythmus visuell verstärken.

Ein markanter Moment entstand während des Auftritts von „Limp Business“. In den vorderen Reihen senkten sich zahlreiche Besucher gleichzeitig auf den Boden – eine kurze, fast gespannte Ruhepause, bevor sie im nächsten Augenblick gemeinsam wieder hochsprangen. „So etwas erlebt man nicht oft in einer Halle“, sagte ein Besucher aus Düsseldorf, der zum ersten Mal dabei war. „Das fühlt sich eher wie ein großes Open-Air an, nur eben drinnen.“ Eine andere Besucherin ergänzte: „Man hat das Gefühl, durch mehrere Jahrzehnte Rockgeschichte zu reisen – und das alles an einem einzigen Tag.“
Neben den Klassikern der 1970er- und 1980er-Jahre fanden auch neuere Einflüsse ihren Platz. Bands wie „Stacked Actors“ oder „Rage Against The System“ brachten modernere Klänge ein und erweiterten das Spektrum des Abends. Dadurch entstand ein Spannungsbogen, der unterschiedliche Generationen im Publikum ansprach und die stilistische Vielfalt des Genres unterstrich.
Die organisatorische Struktur trug wesentlich zum Gelingen bei. Mit Festivalbändchen ausgestattet, konnten sich die Besucher frei bewegen, zwischenzeitlich die Halle verlassen und jederzeit zurückkehren. Diese Offenheit verlieh der Veranstaltung eine gewisse Ungezwungenheit, ohne dass der Ablauf darunter litt. Vielmehr entstand der Eindruck eines sorgfältig geplanten, aber dennoch locker wirkenden Gesamterlebnisses.
Ein Blick auf die Entwicklung des Formats zeigt, wie schnell sich der „Temple of Rock“ etabliert hat. Nach der Premiere im Jahr 2025, die bereits rund 1000 Menschen anzog, gelang es nun, die Besucherzahl deutlich zu steigern. Zugleich wurde das Erscheinungsbild überarbeitet: Aus der bisherigen REDBOX wurde die NEW Box, ein Schritt, der auch symbolisch für die Weiterentwicklung der Veranstaltung steht.
Bis kurz vor Mitternacht hielt die Intensität an. Die Bässe waren nicht nur hörbar, sondern körperlich spürbar, während die letzten Songs die Halle ein weiteres Mal in Bewegung versetzten. Mit dem Ende des Programms verstummte zwar die Musik, doch die Ankündigung für das kommende Jahr ließ keinen Zweifel daran, dass die Reihe fortgesetzt wird: Am 13. März 2027 soll die NEW Box erneut zum Schauplatz dieses besonderen Rock-Marathons werden. (sk)





