Elektrischer Blues in voller Fahrt: Samantha Fish lässt die Kantine in Köln beben

Die ausverkaufte Kantine verwandelte sich am vergangenen Mittwochabend in eine pulsierende Bühne für Bluesrock der Extraklasse.
Von KM-Redakteurin Sabrina Köhler

Musik – Samantha Fish, die amerikanische Gitarristin und Sängerin aus Kansas City, eröffnete die deutsche Station ihrer „Paper Doll World Tour“ mit einer Darbietung, die gleichermaßen virtuos und leidenschaftlich war. Der Abend bot ein eindrucksvolles Porträt einer Musikerin, die sich seit Jahren kontinuierlich zu einer der markantesten Stimmen der zeitgenössischen Blues- und Rockszene entwickelt hat.

Noch bevor Fish selbst die Bühne betrat, machte die Zac Schulze Gang den Auftakt. Das britische Trio präsentierte knapp dreißig Minuten kompromisslosen Bluesrock. Von der ersten Sekunde an zog die Band das Publikum in ihren Bann: Rasante Riffs auf der schwarzen Fender Stratocaster von Frontmann Zac Schulze, unterstützt von treibendem Schlagzeug und Bass, bildeten ein dichtes Klanggewebe. Nur ein einziger Song verlangsamte das Tempo kurzzeitig, bevor die Band wieder in die kraftvolle Gangart zurückkehrte. Highlights wie „High Roller“, „Walking the Dog“ oder „Hole in My Pocket“ ließen die Menge mitklatschen und unterstrichen die Energie, die das Trio auszeichnet. Die Zac Schulze Gang, Gewinner des UK Blues Emerging Band of the Year Award 2024 und des Young Artist of the Year Award 2025, bewies einmal mehr, warum ihr Debütalbum „Straight to It“ in der europäischen Bluesrock-Szene hohe Aufmerksamkeit erregt.

Foto: Kultur-macht/Maris Rietrums

Als die Lichter erneut dunkler wurden, übernahm Samantha Fish mit ihrer Band die Bühne. Ron Johnson am Bass, Jamie Douglass am Schlagzeug und Mickey Finn an den Keyboards bildeten das Fundament für ein Set, das überwiegend aus Songs ihres aktuellen Albums „Paper Doll“ bestand. Das Album, das erstmals mit der Touring-Band eingespielt wurde, enthält neun kraftvolle Stücke, die sowohl roh als auch nuanciert klingen und die Energie der Live-Shows direkt in die Studioaufnahmen transportieren.

Mit dem Titelsong „Paper Doll“ begann das Konzert in Hochgeschwindigkeit. Slide-Riffs, treibende Rhythmen und die markante Stimme Fishs fesselten sofort. Über den gesamten Abend hinweg wechselte sie zwischen einer weißen Gibson SG, einer silbernen Gibson ES-335, einer Delaney und einer Supro Belmont, jede Gitarre mit einem eigenen Charakter, der den Songs unterschiedliche Nuancen verlieh. Besonders bemerkenswert war der Einsatz einer Stogie-Blues-Zigarrenkisten-Gitarre bei „Poor Black Mattie“ von RL Burnside, die dem Stück einen rohen, unverfälschten Klang verlieh und die Verbindung zum traditionellen Blues verdeutlichte.

Das Publikum reagierte auf jeden Song mit sichtbarer Begeisterung. „I’m Done Runnin’“, „Bulletproof“, „Fortune Teller“, „Dream Girl“, „Better Be Lonely“ und „Black Wind Howling“ wurden von der Band mit dichtem, kraftvollem Sound begleitet. Fishs Stimme erhob sich klar über das treibende Backbeat-Spiel, während die Gitarren in langen Soli die Bühne beherrschten. Besonders „Going Down South“ wurde zu einem ausgedehnten Finale, in dem die Musikerin ihre Virtuosität in voller Länge demonstrierte.

Foto: Kultur-macht/Maris Rietrums

Die Performance war nicht nur ein Beweis für Fishs technisches Können, sondern auch für ihre Bühnenpräsenz. Sie kombinierte Selbstbewusstsein mit natürlicher Leichtigkeit, vermittelte eine starke Ausstrahlung und hielt gleichzeitig das Publikum in Bewegung. Songs wie „Poor Black Mattie“ oder „Paper Doll“ ließen keinen Zweifel daran, dass sie die Fähigkeit besitzt, Live-Konzerte zu elektrisierenden Erlebnissen zu machen.

Für die Zugabe betrat Zac Schulze erneut die Bühne. Mit umgeschnallter Gitarre vereinte er seine Energie mit Fishs Band für den finalen Song. Der Jubel des Publikums verdoppelte sich, als das Trio zusammen die Bühne rockte und den Abend mit einem gemeinsamen Jam beendete.

Samantha Fish bewies an diesem Abend, warum sie als eine der innovativsten Gitarristinnen ihrer Generation gilt. Die Kombination aus kraftvollem Gitarrenspiel, vielseitigem Gesang und ausgeprägter Live-Performance machte das Konzert zu einem Ereignis, das dem Ruf der „Paper Doll World Tour“ gerecht wurde. (sk)

Foto: Kultur-macht/Maris Rietrums