Amy Macdonald entfachte im Palladium kollektive Euphorie

Die Schlange vor dem Palladium reichte bis weit auf den Vorplatz, lange bevor sich die Tore öffneten. Drinnen staute sich die Erwartung in einer Halle, die bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Von KM-Redakteurin Sabrina Köhler und Sabine Jandeleit

Musik – Als gegen 20 Uhr das Saallicht erlosch, entlud sich die Spannung in einem Jubel, der kaum abebbte. Wenige Augenblicke später stand Amy Macdonald im Scheinwerferlicht – und verwandelte das Konzert in ein gemeinschaftliches Bekenntnis zu jener Mischung aus Folk, Rock und erzählerischer Direktheit, die sie seit fast zwei Jahrzehnten prägt.

Foto: Kultur-macht/Sabine Jandeleit

Köln bildete eine Station ihrer „Is This What You’ve Been Waiting For?“-Tour, mit der die Schottin ihr gleichnamiges sechstes Studioalbum vorstellt. Fünf Jahre lagen zwischen der neuen Veröffentlichung und dem Vorgängerwerk; in ihrer Heimat wurde das Album mit einem Scottish Music Award als „Bestes Album“ geehrt. Von künstlerischer Zurückhaltung war an diesem Abend allerdings nichts zu spüren. Macdonald wirkte energiegeladen, gelöst und in jeder Bewegung präsent.

Bereits der Auftakt setzte ein Zeichen. Ohne große Inszenierung, die Akustikgitarre umgehängt, begann sie mit dem Titelsong „Is This What You’ve Been Waiting For?“. Die ersten Akkorde genügten, um das Publikum in Bewegung zu setzen. Herzförmige Luftballons schwebten durch den Innenraum, während die Menge die Refrains mitsang. Es folgten „Dream On“ und „The Hudson“, Songs, die von Unterwegssein und Sehnsucht erzählen – Motive, die in der Atmosphäre eines Tourabends eine besondere Resonanz entfalten.

Foto: Kultur-macht/Sabine Jandeleit

Macdonald, 1987 im Glasgower Vorort Bishopbriggs geboren, gehört zu jenen Künstlerinnen, deren Karriere früh Fahrt aufnahm. Beeinflusst von Bands wie Travis griff sie als Jugendliche zur Gitarre; ein Konzert von Pete Doherty wurde für sie zum prägenden Erlebnis. 2007 gelang mit „Mr Rock & Roll“ der Durchbruch, das Debütalbum „This Is the Life“ eroberte europaweit Spitzenplätze. Spätere Werke – darunter „A Curious Thing“, entstanden im Studio von Paul Weller – festigten ihren Ruf als verlässliche Songwriterin zwischen eingängigem Folkrock und persönlicher Erzählung.

Im Palladium zeigte sich diese Kontinuität in einer Setlist, die Altes und Neues selbstbewusst verband. „Don’t Tell Me That It’s Over“ entfaltete hymnische Wucht, „Slow It Down“ geriet zu einem vielstimmigen Chor: Macdonald dirigierte das Publikum mit ausgestrecktem Arm, ließ es die Backing Vocals übernehmen, lächelte über die Textsicherheit der ersten Reihen.

Zwischen den Stücken bewies die Sängerin Humor. „Willkommen Köln“, sagte sie auf Deutsch, ehe sie in ihrem unverwechselbaren schottischen Akzent über das Tourleben sprach. Ihre Ansagen wirkten nie einstudiert, eher wie spontane Einschübe, gewürzt mit Selbstironie. Mehrfach suchte sie die Nähe zum Bühnenrand, warf Plektren ins Publikum, nahm Blickkontakt auf. Das Verhältnis zwischen Künstlerin und Zuhörern blieb an diesem Abend auffallend direkt.

Den Konzertabend eröffnet hatte zuvor die Band Better Joy um die Sängerin Bria Keely. Mit „What a Day“ brachte sie ein Thema auf die Bühne, das im Pop selten so klar benannt wird: Generationentrauma. Keely sprach offen über familiäre Brüche und emotionale Erbschaften, verpackte die Schwere jedoch in energetische Arrangements. Helle Gitarrenlinien trafen auf dunklere Klangfarben, Melancholie wechselte mit Aufbruchsstimmung. Nach rund einer halben Stunde verabschiedete sich die Band unter starkem Applaus.

Foto: Kultur-macht/Sabine Jandeleit

Was blieb, war der Eindruck eines Auftritts, der weniger auf Effekte als auf Substanz setzte. Keine überbordende Bühnentechnik, kein choreographiertes Spektakel – stattdessen Lieder, die sich auf Melodie, Text und eine unverwechselbare Stimme stützen. Amy Macdonald agierte gut gelaunt, publikumsnah und mit trockenem schottischem Witz. Die ausverkaufte Halle dankte es ihr mit anhaltendem Applaus und jener Begeisterung, die nur entsteht, wenn Songs über Jahre hinweg zu Begleitern des eigenen Lebens geworden sind. (sk)